Als Hundemama überfordert zu sein bedeutet nicht, dass du versagst
- Jun 23
- 6 min read
Es gibt Momente, über die kaum jemand ehrlich spricht.
Leider nicht weil sie selten sind, sondern sich eher unfassbar unangenehm anfühlen, dass man sie am liebsten so schnell wie möglich vergisst.
Du schaust deinen Hund an. Und statt Wärme kommt gerade nur eines: Erschöpfung. Vielleicht sogar dieser kurze, hässliche Gedanke: Ich kann gerade einfach nicht mehr. (Oder sogar: Ich WILL das nicht mehr?)
Und direkt danach, wie auf Knopfdruck, kommt das Schuld-Gefühl.
Denn du liebst diesen Hund. Du hast ihn nicht geholt, damit er dein Leben schwerer macht. Du wolltest Verbindung. Diese Spaziergänge, in denen ihr einfach zusammen seid. Dieses Gefühl von: Wir gehören zusammen.
Und trotzdem gibt es diese Tage. An denen er wie bescheuert zieht und du denkst, jetzt reicht's. An denen er ohne Ende bellt und etwas in dir einfach durchdreht. Wo deine Reaktion viel größer ist als die Situation eigentlich wäre und du es selbst merkst, in dem Moment, wo es schon zu spät ist.
Du wirst lauter als du möchtest. Du bist vielleicht unfair. Und danach sitzt du da und denkst: Ich bin eine schlechte Hundemama.
Ich möchte dir heute sagen, warum das nicht stimmt. Und warum die Frage, die du dir stellst, vielleicht die falsche ist.
Warum Hundemamas so oft alleine mit dieser Erschöpfung sind
Es gibt ein Problem mit der Art, wie wir über das Leben mit Hund reden.
Auf Instagram sieht man die schönen Spaziergänge, die ruhigen Hunde, die Verbindung die wie selbstverständlich aussieht. Was man nicht sieht: die Frau dahinter, die vor dem Spaziergang schon dreimal tief durchgeatmet hat, weil sie weiß was draußen passieren könnte. Die sich im Kopf schon auf alle Szenarien vorbereitet. Die seit Wochen jede Begegnung mit anderen Hunden wie eine kleine Prüfung erlebt.
Hundemamas tragen einen unsichtbaren Mental Load, den kaum jemand benennt.
Du denkst voraus. Du beobachtest. Du fragst dich ständig: Hab ich genug gemacht? War der Spaziergang lang genug? Hätte ich anders reagieren sollen? Du willst verstehen, willst es richtig machen, willst eine gute Beziehung zu deinem Hund. Und genau dieser Anspruch, dieser liebevolle, ehrliche Anspruch, kostet Energie. Tag für Tag.
Irgendwann ist das Glas einfach leer.
Und dann passiert irgendetwas, oft etwas ganz Kleines und dein Hund eskaliert, oder du eskalierst, oder beides gleichzeitig. Und du fragst dich, was mit euch nicht stimmt.
Aber vielleicht stimmt mit euch gar nichts nicht. Vielleicht sind da einfach zwei Nervensysteme, die gerade beide am Limit sind.
Was mir ein (Menschen) Zahnarzttermin über Hunde beigebracht hat
Vor kurzem war ich mit meinem Kind beim Zahnarzt.
Ich hatte natürlich einen Plan. Termin, danach noch kurz in die Stadt, alles passt. Ich hatte mich mental vorbereitet, ich war bereit. Was ich nicht eingeplant hatte: mein Kind war es nicht.
Ziemlich schnell war keine Kooperation mehr möglich. Keine Chance, irgendwie vernünftig durch diese Situation zu kommen. Und ich- ich, die sich täglich mit Nervensystemen beschäftigt, die genau weiß wie Regulation funktioniert- war irgendwann selbst komplett drüber.
Gereizt. Ungeduldig. Ich wollte, dass mein Plan funktioniert.
Mein Kind hat geweint und um sich gehauen. Und genau dies häte ich auch gern getan. In meinem Kopf in Dauerschleife: Ich WILL das so nicht mehr.
Danach kam dieses furchtbare Gefühl: Warum war ich gerade so? Ich weiß es doch besser. Ich wollte doch anders reagieren.
Aber dann kam noch etwas anderes. Eine Erkenntnis, die ich eigentlich schon lange kenne und die ich in diesem Moment wieder neu verstanden habe.
Mein Kind war nicht gegen mich. Mein Kind konnte sich in diesem Moment einfach nicht mehr regulieren. Und ich war die Erwachsene. Meine Aufgabe war nicht, meinen Plan durchzusetzen. Meine Aufgabe war, mich selbst zuerst wieder zu regulieren. Die Situation zu lesen. Und dann eine neue Entscheidung zu treffen.
Habe ich dann auch gemacht. Und stell dir vor: Es hat funktioniert.
Und in diesem Moment musste ich an Hunde denken.
Denn das ist exakt das, was viele überforderte Hundemamas jeden Tag erleben. Nur dass wir beim Hund noch weniger darüber reden. Weil ein Hund ja „nur" ein Tier ist. Weil man sich dafür noch mehr schämt. Weil die Frage Wie kann ich meinen Hund lieben und gleichzeitig so am Ende sein? so viel Schuld mit sich trägt, dass man sie lieber gar nicht laut ausspricht.
Was dein Hund wirklich erlebt, wenn du überfordert bist
Dein Hund erlebt nicht dein Training.
Er erlebt dich.
Das klingt simpel. Aber es hat eine Tiefe, die die meisten Ratgeber komplett ignorieren. Dein Hund spürt deinen Atem, deine Muskelspannung, die Qualität deiner Aufmerksamkeit. Er spürt, ob du wirklich da bist oder ob du gerade nur funktionierst.
Wenn dein Nervensystem im Dauerstress ist, kommuniziert es das. Nicht mit Worten, aber mit allem anderen. Und dein Hund antwortet darauf. Nicht aus Boshaftigkeit. Nicht weil er dich provozieren will. Sondern weil er ein hochsensibles Wesen ist, das auf die Energie in seinem Umfeld reagiert, so wie er es immer getan hat.
Was viele dann als mein Hund eskaliert beschreiben, ist oft genau das: Zwei Nervensysteme die sich gegenseitig hochschaukeln. Dein Hund spürt deine Anspannung. Deine Anspannung wächst, weil dein Hund sich nicht so verhält wie du es dir wünschst. Und irgendwann ist keiner von euch mehr wirklich handlungsfähig.
Das ist kein Versagen. Das ist Biologie.
Und das Schöne daran ist: Wenn es Biologie ist, dann gibt es auch einen Weg raus. Nicht durch mehr Training. Sondern durch etwas, das viel grundlegender ist.
Die Frage, die wirklich zählt und die kaum jemand stellt
Wenn eine Hundemama überfordert zu mir kommt, stelle ich ihr selten die Frage: Was macht dein Hund?
Ich frage: Was trägt du gerade alles?
Denn meistens ist der Hund nicht das Problem. Der Hund ist der Spiegel. Er zeigt, was gerade im System passiert, im gemeinsamen System aus dir und ihm. Und oft zeigt er dabei Dinge, die du selbst schon länger spürst, aber noch nicht wirklich hingeschaut hast.
Die Erschöpfung, die schon da war, bevor du morgens aufgestanden bist.
Die Verantwortung, die du trägst, für deinen Hund, vielleicht für Kinder, für Arbeit, für alles und die du meist alleine trägst.
Die stille Hoffnung, dass es irgendwann mal leichter wird. Irgendwie. Irgendwann.
Wenn dein Glas leer ist, dann fühlt sich ein kleiner Tropfen an wie eine Überschwemmung. Das ist keine Schwäche. Das ist einfach Physik.
Und die Lösung ist dann selten: mehr lernen, mehr üben, noch eine Methode ausprobieren.
Die Lösung beginnt damit, ehrlich hinzuschauen. Was passiert gerade wirklich zwischen dir und deinem Hund? Nicht was du dir wünschst, dass es passiert. Was passiert wirklich?
Was Verbindung mit deinem Hund wirklich bedeutet
Ich glaube, viele Hundemamas haben ein Bild im Kopf davon, wie eine gute Beziehung mit dem Hund aussehen soll.
Kein Ziehen an der Leine. Kein unnötiges Bellen. Kein Eskalieren in bestimmten Situationen. Ein Hund, der hört. Der kooperiert. Der nicht ständig diese eine Schwäche triggert, die man eigentlich gerade gar keine Kapazität hat zu zeigen.
Und wenn das nicht klappt, dann schleicht sich dieser Gedanke rein: Ich mache etwas falsch.
Aber Beziehung (echte Beziehung, nicht die Instagram-Version) entsteht nicht dadurch, dass immer alles reibungslos läuft.
Beziehung entsteht dadurch, dass man immer wieder zurückfindet.
Nach dem Moment, wo man zu laut war. Nach dem Tag, der einfach schlecht war. Nach der Situation, auf die man nicht stolz ist. Zurückfinden zu Verbindung, zu Präsenz, zu echtem Kontakt.
Das ist es, was zählt.
Nicht Perfektion. Verbindung.
Und das kannst du nicht erzwingen. Du kannst es nicht trainieren. Du kannst nur anfangen, dich selbst klarer zu führen und dann passiert etwas Seltsames, fast Unlogisches: dein Hund folgt dir. Nicht weil du ihn dazu gezwungen hast. Sondern weil er endlich wieder jemanden spürt, dem er folgen kann.
Was du jetzt tun kannst auch wenn du gerade keine Energie hast
Ich möchte dir keine Liste geben. Keine fünf Schritte, die du jetzt auch noch erledigen sollst.
Aber ich möchte dir eine einzige Frage mitgeben, die du dir heute Abend stellen kannst:
Was wäre, wenn das Problem nicht dein Hund ist — und auch nicht du — sondern einfach die Tatsache, dass ihr beide gerade Unterstützung braucht?
Nicht mehr Training. Nicht mehr Selbstdisziplin. Nicht mehr Durchhalten.
Sondern jemanden, der von außen auf euch schaut und sagt: Ich sehe, was hier passiert. Und ich kann dir zeigen, wie ihr da rauskommt.
Das ist Arbeit, die ich mache. Nicht mit dem Hund. Mit dir.
Wenn du verstehen möchtest, was zwischen dir und deinem Hund gerade wirklich passiert, was diese Momente der Überforderung auslöst, und was sich konkret verändern würde, wenn du anfängst, dich selbst klarer zu führen, dann ist Sieben Tage Klarheit der erste Schritt.
Sieben Tage, in denen wir gemeinsam anschauen, was in eurem System gerade wirklich los ist. Nicht um mehr zu tun. Sondern um endlich das Richtige zu tun.
Du bist nicht eine schlechte Hundemama, weil du manchmal überfordert bist.
Du bist eine Hundemama, die noch nicht weiß, dass sie aufhören darf, alleine zu tragen.

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